Emco Emcomat 8.6


Meine Drehmaschine – Emcomat 8.6

Ich habe die Emcomat 8.6 vor ein paar Jahren gekauft.

Bei der Besichtigung kam sie mir ehrlich gesagt ziemlich klein vor. Nach den Maschinen aus meiner Ausbildung – unter anderem einer Emco Maximat V13 – wirkte sie fast wie ein Spielzeug.

Dafür passte sie wortwörtlich in den Kofferraum.

Ein konkretes Projekt hatte ich damals nicht. Für mich gehört eine Drehmaschine einfach in einen vernünftigen Haushalt – genauso wie ein Schweißgerät und irgendwann auch eine Fräsmaschine.

Gekauft habe ich sie nicht als Restaurierungsobjekt und auch nicht mit dem Plan, sie vollständig umzubauen.

Ich wollte damit arbeiten.

Die Änderungen kamen später.

Nach den großen Maschinen aus meiner Ausbildung wirkte die Emcomat zunächst fast wie Spielzeug. Dafür passte sie tatsächlich in den Kofferraum.

Was mich an der Emcomat beschäftigte

Nach den ersten Arbeiten war schnell klar, dass die kleine Emcomat mehr konnte, als ihr erster Eindruck vermuten ließ.

Ihre kompakte Bauweise brachte aber auch einige Punkte mit sich, die mich beim Arbeiten immer wieder beschäftigten:

  • die Nachstellleisten des Betts
  • die teilweise hakelige Drehzahlvorwahl
  • die kurze Reitstockpinole
  • die EMCO-Spindelnase nach Werksnorm
  • der Oberschlitten
  • die Schlossmutter und die Spindelmuttern
  • die fehlende eindeutige Positionsanzeige in X und Z
  • die relativ hohe Minimaldrehzahl
  • und viele kleine Details, die bei größeren Maschinen aufwendiger gelöst sind – oder überhaupt vorhanden

Nicht alles davon musste sofort geändert werden.

Einige Punkte wollte ich verbessern. Andere zunächst genauer verstehen. Und bei manchen musste ich einfach entscheiden, ob ich damit leben konnte oder wollte.

Für sich genommen war keiner dieser Punkte dramatisch.

In Summe war es aber genug, um zu sagen:

Da geht noch was.

Die ersten Änderungen

Die ersten Arbeiten waren noch keine großen Umbauten.

Es entstanden zunächst einige überschaubare Projekte, wie zB:

Nicht alles davon war zwingend notwendig.

Oft entstand ein Teil einfach deshalb, weil mir bei der Arbeit etwas unnötig umständlich vorkam oder ich wissen wollte, ob es sich anders lösen lässt.

Die meisten Ideen kamen nicht am Schreibtisch.

Sie entstanden direkt an der Maschine – beim Messen, Aufspannen, Kurbeln oder beim Ärgern über irgendeine Kleinigkeit.

Endlich eine Maschine zu besitzen, die einen großen Teil ihrer eigenen Verbesserungen herstellen kann, ist schon etwas Schönes.

[BILDPLATZHALTER: Emcomat mit einem der ersten selbst gebauten Teile, beispielsweise Vierfachstahlhalter oder Längsanschlag]

Bildunterschrift: Die ersten Änderungen waren noch überschaubar. Viele spätere Projekte entstanden direkt aus der Arbeit mit der Maschine.

Eigentlich wollte ich nur eine Positionsanzeige

Der größere Umbau begann mit einem vergleichsweise einfachen Wunsch.

Ich wollte die Position von Quer- und Längsschlitten leichter und eindeutiger ablesen können.

Zur Not, bzw in der ursprünglichen Idee, hätte dafür auch ein umgebauter Digital-Messschieber gereicht.

Bis dahin lief vieles über:

  • Skalenringe
  • Anschläge
  • Messuhr
  • das Mitzählen von Umdrehungen
  • und einiges an Kopfrechnen

Das funktioniert grundsätzlich.

Auf Dauer ist es allerdings mühsam und fehleranfällig. Rechenfehler verhielten sich dabei erstaunlich oft so, wie es Kaufleuten gerne nachgesagt wird:

Sie fielen erstaunlich oft zu meinen Ungunsten aus.

Während ich mich mit verschiedenen Möglichkeiten für eine Positionsanzeige beschäftigte, wurde die Idee nach und nach größer.

Ziemlich schnell landete ich natürlich beim Thema CNC.

Das wollte ich aber nicht. Einerseits wegen meiner nicht vorhandenen Programmierkenntnisse, andererseits wegen der zusätzlichen Komplexität.

Ich wollte die Emcomat eigentlich auch weiterhin konventionell bedienen (können).

Elektronische Unterstützung dort, wo sie mir die Arbeit tatsächlich erleichtert – ja.

Eine vollständige CNC-Maschine – nein.

Damit kam die ELS4 von Rocketronicsins Spiel.

Also ELS Steuerung und Antriebspaket gekauft.. und aus der ursprünglich geplanten DIY-super-simpel-Messschieber-Positionsanzeige wurde schließlich doch ein für mich recht umfangreicher Umbau:

Das alles war nicht von Anfang an als Gesamtprojekt geplant.

Ein Teil führte, forderte und verlangte das Nächste.

Das Projekt ist gewachsen.

Ich auch.

[BILDPLATZHALTER: Aktueller Stand der Emcomat mit sichtbaren Komponenten des ELS-Umbaus]

Aus der geplanten super-simpel Positionsanzeige wurde somit ein Umbau mit Antriebseinheiten auf beiden Achsen, Spindelencoder und eigener Elektrik.

Die Projekte rund um die Emcomat

STP Vierfachstahlhalter

Eines der ersten größeren Teile für und mit der Emcomat war ein eigener Solid-Toolpost mit Vierfachstahlhalter.

Ich wollte mehrere häufig verwendete Werkzeuge direkt an der Maschine haben und sie ohne ständiges Aus- und Einrichten wechseln können.

Solid Toolpost, modulare Grundplatte und Vierfachstahlhalter für die Emcomat 8.6

Längsanschlag

Für wiederkehrende Längen und definierte Positionen entstand ein eigener Anschlag für den Bettschlitten.

Längsanschlag für die Emcomat 8.6 – gebaut auf der Langsamhobel-Drehmaschine

Futterflansch

Für ein weiteres Drehfutter brauchte ich einen passenden Flansch für die EMCO-Spindelnase.

Also entstand auch dieser auf der Maschine selbst.

Futterflansch (easy) für 125er Vierbackenfutter an der Emcomat 8.6

Elektronische Leitspindel

Was als einfache Positionsanzeige begann, entwickelte sich zur elektronischen Leitspindel mit motorisierten Achsen, Spindelencoder, Schaltschrank und eigener Verkabelung.

Querspindel verhunzt

Beim Bau des X-Antriebs fraß sich die originale Querspindel in einem Verlängerungsadapter fest.

Was zunächst nur nach einem gründlich misslungenen Arbeitsschritt aussah, führte schließlich zum vollständigen Umbau auf eine TR10×2-Spindel mit neuer Bronzemutter und selbst gebautem Mutternträger.

(2) Querspindel verhunzt – Rettung und Umbau auf TR10×2

Kein abgeschlossenes Projekt

Die Emcomat ist für mich kein abgeschlossenes Restaurierungs- oder Umbauprojekt.

Sie ist eine Maschine, mit der ich arbeite.

Dabei entstehen immer wieder neue Ideen.

Manche davon werden umgesetzt. Andere bleiben auf einer Liste. Und einige entstehen erst deshalb, weil ein vorheriger Versuch nicht funktioniert hat.

Nicht jede erste Lösung ist gut.

Manchmal auch die zweite nicht.

Die Maschine muss für mich aber nicht irgendwann endgültig fertig sein.

Sie soll funktionieren, zu meiner Arbeitsweise passen und sich weiterentwickeln dürfen, wenn mir eine bessere Lösung einfällt.

Aus der kleinen Drehmaschine, die damals in den Kofferraum passte, wurde damit Werkzeug und Projekt zugleich.

Und der Ausgangspunkt für einen großen Teil dessen, was heute auf WerkstattDenke zu finden ist.

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