Oder auch: Warum habe ich eigentlich keine Drehmaschine?
Die Kugelspannbolzen für meine Schweißtischplatte entstanden lange vor dem Kauf meiner Drehmaschine.
Eigentlich waren es klassische Drehteile.
Ich hatte aber keine Drehmaschine.
Auch keine Fräsmaschine und keine Säulenbohrmaschine.
Vorhanden waren ein Bohrständer, ein Schraubstock, Feilen, Bügelsäge, Winkelschleifer und ein Elektrodenschweißgerät.
Ich hätte warten können.
Bis die richtige Maschine vorhanden ist.
Bis sich passende Kaufteile finden.
Bis die Werkstatt besser ausgestattet ist.
Stattdessen habe ich überlegt, wie sich die benötigte Funktion mit dem herstellen lässt, was bereits da war.
Aus Rundstahl und Präzisionsrohr vom Schrottplatz, Kugeln aus einem alten Kugellager und einigen Schrauben entstanden vier Spannbolzen.
Zusätzlich baute ich in derselben Art noch zehn einfache Anschläge für die Lochplatte.
Auch dafür wurden jeweils ein Rohr und ein Bolzen miteinander verpresst – oder ehrlicher gesagt: mit Fäustel und Holzzulage ineinandergehämmert. Oben setzte ich einen Schweißpunkt und versäuberte anschließend die Planfläche.
Die Anschläge werden einfach in die Bohrungen der Schweißtischplatte gesteckt. Dort dienen sie als Bezug zum Anlegen, Ausrichten oder Einrichten von Werkstücken.
Keine komplizierte Mechanik.
Eigentlich nur ein Bolzen mit Bund.
Aber auch solche einfachen Teile wären mit einer Drehmaschine erheblich schneller und sauberer hergestellt gewesen.
Ich hatte keine.
Also ging es anders.
Die Spannbolzen wurden ebenfalls nicht gedreht.
Das Rohr wurde mit Fäustel und Holzzulage aufgepresst. Eine Schraubstockbacke diente als Bohranschlag. Ein Loch in einem Stück Multiplex wurde zur Zentrierhilfe. Die Kegel an den Schrauben entstanden am Winkelschleifer.
Schön war das nicht immer.
Genau war es nur so weit, wie es für die Funktion notwendig war.
Aber die Spannbolzen funktionierten.
Die Anschläge ebenfalls.
Und beides funktioniert noch heute.
Mittlerweile könnte ich diese Teile auf der Drehmaschine deutlich sauberer, genauer und wahrscheinlich auch schneller herstellen.
Vermutlich werde ich irgendwann einen neuen Satz Spannbolzen bauen.
Die alten Teile bleiben trotzdem.
Nicht nur als Reserve.
Sie erinnern mich daran, dass fehlendes Werkzeug zwar ein Problem ist – aber nicht immer das Ende eines Projekts.
Manchmal führt gerade die fehlende Maschine dazu, dass man genauer über die eigentliche Funktion nachdenken muss.
Was muss wirklich rund sein?
Welcher Abstand ist entscheidend?
Wo genügt ein einfacher Anschlag?
Welche Kraft ist tatsächlich notwendig?
Und welche Form muss nur so genau sein, dass das Teil zuverlässig funktioniert?
Eine besser ausgestattete Werkstatt macht vieles einfacher.
Aber anfangen kann man ja schon mal vorher.
Zum Projekt: Kugelspannbolzen und Anschläge für den Schweißtisch

Schreibe einen Kommentar