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Eigentlich wollte ich nur einen Längsanschlag für die Emcomat 8.6.
Die Suche nach einem passenden fertigen Anschlag verlief weitgehend erfolglos.
Im Forum wurde ich schließlich daran erinnert, dass ich im Grunde bereits alles Werkzeug besaß, das für den Bau notwendig war.
Zumindest theoretisch.
Also, Werkstattfeilen in die Hand und ab dafür.

Der Ausgangspunkt war ein Stück Aluminium, eine grob angerissene Kontur und der inzwischen sehr geschätzte ZAG-150-Schraubstock.
Warum überhaupt ein Längsanschlag?
Ein Längsanschlag am Maschinenbett ermöglicht es, den Bettschlitten wiederholt an dieselbe Position zu fahren.
Das ist unter anderem hilfreich bei:
- wiederkehrenden Längen
- mehreren gleichartigen Werkstücken
- Einstichen und Absätzen
- Bohr- und Fräsaufbauten
- oder ganz allgemein als reproduzierbare Referenz bei besonderen Aufspannungen
Der Anschlag sollte verschiebbar sein und sich am Bett der Emcomat zuverlässig festklemmen lassen.
Eine komplizierte Feineinstellung war zunächst nicht das eigentliche Ziel.
Ich brauchte vor allem einen stabilen Anschlag, den ich dort befestigen konnte, wo ich ihn gerade benötigte.
Der erste Rohling entstand noch ganz klassisch
Als Ausgangsmaterial diente ein Reststück Aluplatte.
Die äußere Form wurde grob angezeichnet, abgetrennt und anschließend mit Werkstattfeilen herausgearbeitet.
Klein Kunibert, mein ZAG-150-Parallelschraubstock, leistete dabei wiedermal sehr gute Dienste.
Der Ablauf war zunächst klassische Handarbeit:
- anreißen
- feilen
- kontrollieren
- und wieder feststellen, dass an einer anderen Stelle ebenfalls noch Material wegmuss
Das funktioniert. Es dauert nur länger, als man sich beim Anreißen noch einredet.
Der Wunsch nach maschineller Unterstützung
Irgendwann meldete sich der übliche Gedanke:
Das müsste doch auch irgendwie maschinell gehen.
Eine Fräsmaschine hatte ich ja weiterhin nicht..
Aber niemand hatte ausdrücklich gesagt, dass eine Drehmaschine nicht kurz als Kurzhobler aushelfen darf.
Wobei „kurzhobeln“ bei der erreichbaren Bearbeitungsdauer wohl etwas optimistisch formuliert ist.
Es wurde eher eine Langsamhobelei.
Die Langsamhobel-Drehmaschine.
Ein erster Hobelmeißel aus Silberstahl
Für den ersten Versuch fertigte ich einen kleinen Hobelmeißel aus Silberstahl.
Das Material wurde:
- abgelängt
- mit der Feile in Form gebracht
- mit dem Bunsenbrenner erwärmt
- in Öl gehärtet
- angelassen
- auf der Tormek geschliffen
- und anschließend am Stein abgezogen
Der Meißel funktionierte grundsätzlich.
Die Schneide nahm Material ab, und die Emcomat ließ sich tatsächlich als handbetriebener Hobel verwenden.
Der Aufbau hatte allerdings zu wenig Freiraum.
Die Schneidengeometrie und die Halterung waren noch nicht zu Ende gedacht.
Der Meißel konnte arbeiten. Besonders praktisch war er trotzdem nicht.

Bildunterschrift: Der erste Hobelmeißel funktionierte grundsätzlich, besaß aber zu wenig Freiraum und erzeugte einen unnötig hohen Schnittdruck.

Bildunterschrift: Spätestens im Detail war gut zu erkennen, warum dieser erste Meißel zwar funktionierte, aber nicht wirklich angenehm arbeitete.
Nutensteine statt Spannpratzen
Für die Aufspannung waren meine zuvor gefertigten Nutensteine ausgesprochen hilfreich.
Für normale Spannpratzen und Treppenklötze war auf dem vorhandenen Aufbau kaum Platz.
Die Nutensteine ermöglichten eine kompakte Befestigung direkt auf dem Schlitten.
Das ist bei solchen Arbeiten oft der eigentliche Unterschied zwischen einer theoretisch möglichen und einer praktisch brauchbaren Aufspannung.
Das Werkzeug ist die eine Sache. Es überhaupt sinnvoll vor das Werkstück zu bekommen, die andere.
Plan B: ein alter Vier-Millimeter-Bohrer
Nach dem ersten Versuch änderte ich den Aufbau.
In die Werkzeugaufnahme sollte ein Loch gebohrt und ausgerieben werden. Darin wollte ich den Schaft eines alten abgebrochenen Vier-Millimeter-Bohrers spannen und mit einem Gewindestift sichern.
Der Bohrer wurde entsprechend umgeschliffen und sollte als schmaler Hobelmeißel arbeiten.
Die Idee war ja gut. Der Weg dorthin weniger.
Ein M5-Gewindebohrer blieb im Werkstück
Für das Gewinde des Sicherungsstifts hatte ich nur vier Millimeter vorgebohrt.
Das war für ein M5-Gewinde zu knapp.
Der neue Gewindebohrer brach genau am Ausgang der Bohrung ab.
Damit steckte nun ein Stück gehärteter Gewindebohrer in der Werkzeugaufnahme.
Mein nächster Plan war, den Rest mit einem Hartmetallbohrer herauszuoperieren.
Danach besaß ich:
- weiterhin einen abgebrochenen Gewindebohrer im Bauteil
- und einen Hartmetallbohrer weniger
Das Projekt bekam daraufhin eine kurze Denkpause.
Gemeinsam mit meinem Vater wurde zunächst etwas Gerstenelektrolyt dem Getriebe zugeführt.
Die zweite Werkzeugaufnahme war die bessere Lösung
Nach der Pause entstand eine neue Aufnahme für den umgeschliffenen Vier-Millimeter-Bohrer.
Diese Version war:
- schmaler
- schärfer
- besser zugänglich
- und benötigte weniger Schnittdruck
Sie funktionierte deutlich besser als der erste Silberstahlmeißel.
Auch die zunächst nur grob geschruppte Oberfläche des Aluminiumteils sah bereits erstaunlich brauchbar aus.
Der schmalere Meißel war nicht nur ein Ersatz nach dem gescheiterten Gewinde. Er war die bessere Lösung.

Die zweite Aufnahme verwendete einen umgeschliffenen Vier-Millimeter-Bohrer als Hobelmeißel. Er war schmaler und erzeugte deutlich weniger Schnittdruck.
Der kleine, umgeschliffene Bohrer war unspektakulär, funktionierte aber besser als der erste deutlich größere Meißel.
Der Hobelaufbau auf der Emcomat
Der endgültige Aufbau bestand im Wesentlichen aus:
- einem Ausdrehkopf in der Hauptspindel
- dem darin befestigten kleinen Hobelwerkzeug
- einem Schraubstock auf dem Schlitten
- und der handbetätigten Längsbewegung der Drehmaschine
Der Ausdrehkopf ermöglichte eine einfache Höhenverstellung des Werkzeugs.
Der kleine, umgeschliffene Bohrer war in Rundmaterial geklemmt.
Der Schraubstock ersetzte bei dieser Aufspannung den Oberschlitten.
Die Hauptspindel wurde dabei nicht eingeschaltet.
Das Werkzeug stand still. Die Schnittbewegung entstand allein durch das Kurbeln des Schlittens.
Zehntel für Zehntel wurde zugestellt und der Schlitten von Hand durch die Bearbeitung bewegt.
Ich stand einen ganzen Tag an der Drehmaschine, ohne sie ein einziges Mal einzuschalten.
Das ist vermutlich nicht die wirtschaftlichste Nutzung einer Drehmaschine. Es war aber eine Möglichkeit, die benötigte Form mit den vorhandenen Mitteln herzustellen.

Bildunterschrift: Der Ausdrehkopf diente zur Höhenverstellung. Die Schnittbewegung entstand ausschließlich durch das Kurbeln des Schlittens.
Besonders elegant war der Aufbau nicht. Aber er funktionierte – langsam, kontrolliert und überraschend brauchbar.
Videos vom Aufbau
Der Hobelaufbau ist in zwei kurzen Videos zu sehen:
Besonders in der Totalen wird deutlich, weshalb „Langsamhobeln“ die passendere Bezeichnung ist.
Die untere Klemmbacke
Der Anschlag benötigte neben dem Aluminiumkörper eine separate Klemmbacke für die Befestigung am Maschinenbett.
Das Unterteil entstand aus einem Reststück Sechskantmaterial mit Schlüsselweite 22.
Auch dieses Teil wurde auf der Emcomat gehobelt.
Anschließend richtete ich Aluminiumkörper und Klemmbacke zueinander aus und verspannte beide Teile gemeinsam.
Dadurch konnten die weiteren Bearbeitungen aufeinander bezogen hergestellt werden.
Taschen und Durchgangsbohrung am Bohrständer
Für die Verbindung der beiden Teile wurden beidseitig Taschen und eine Durchgangsbohrung benötigt.
Diese Bearbeitung erfolgte mit einem Fräser (als Bohrer) im Bohrmaschinenständer.
Der Aufbau reichte aber aus, um die notwendigen Freiräume herzustellen.
Nach der Bearbeitung passten die beiden Teile zusammen, und die Klemmung funktionierte bei der ersten Anprobe sehr gut.

Bildunterschrift: Taschen und Durchgangsbohrung entstanden mit einem Fräser im Bohrständer. Nicht ideal, aber für diesen Zweck ausreichend.


Nach dem Bearbeiten der Taschen passten Hauptkörper und Klemmbacke sauber zusammen.
Eine kleine Welle hält die Klemmbacke in Position
Zwischen Hauptkörper und Klemmbacke sitzt eine kleine gedrehte Welle beziehungsweise Spule.
Dieses Bauteil erfüllt mehrere Aufgaben:
- Die Klemmbacke bleibt in dieser Achse beweglich.
- Ihre Position wird geführt.
- Sie kann sich beim Anziehen nicht beliebig verdrehen.
- Die Spule kann seitlich nicht herauswandern.
Die Form wirkt auf den ersten Blick aufwendiger als ein einfacher Bolzen mit Sicherungsring.
Im montierten Aufbau sorgt sie jedoch dafür, dass sich die lose Klemmbacke kontrolliert bewegt und beim Ansetzen nicht ständig neu sortiert werden muss.

Die kleine Welle war mehr als nur ein Bolzen. Sie führte die Klemmbacke und hielt die gesamte Mechanik verdrehsicher zusammen.
Eine Kugelschreiberfeder musste helfen
Zusätzlich kam eine kleine Druckfeder zum Einsatz.
Sie stammte aus einem Werkstattkugelschreiber, der so dem Projekt unfreiwillig zum Opfer fiel.
Die Feder hält die Klemmung beim Lösen auseinander und erleichtert das Verschieben beziehungsweise Abnehmen des Anschlags.
Eine etwas stärkere Feder wäre möglicherweise angenehmer.
Die vorhandene Lösung funktionierte für die erste Erprobung jedoch ausreichend.


Bildunterschrift: Die kleine gedrehte Welle führt die Klemmbacke und verhindert ihr Verdrehen. Eine Kugelschreiberfeder öffnet die Klemmung beim Lösen.

Bildunterschrift: Im fast fertigen Aufbau wurde sichtbar, wie einfach die Mechanik eigentlich ist – sofern man den Weg dorthin ausblendet.
M8 statt zusätzlichem Spannhebel
Ein eigener Spannhebel war nicht vorgesehen.
Die Klemmung erfolgt über eine M8-Schraube mit Sechs-Millimeter-Innensechskant.
Der passende Schlüssel liegt bei der Emcomat ohnehin immer für mehrere andere M6- und M8-Schrauben bereit.
Ein zusätzlicher Hebel hätte Platz benötigt, in den Arbeitsraum geragt und möglicherweise nur eine weitere Kollisionsstelle oder Langspansammelstelle geschaffen.
Die Schraube ist weniger spektakulär. Sie erfüllt aber ihren Zweck.
Der Zugang hätte besser von unten kommen sollen
Kurz vor Fertigstellung fiel mir auf, dass die Schraube von unten vermutlich besser zugänglich wäre.
In der gebauten Version liegt der Schraubenkopf auf der Oberseite und damit näher am Spanbereich.
Eine von unten bediente Klemmung hätte mehrere Vorteile:
- kein Schraubenkopf auf der Oberseite
- weniger Angriffsfläche für Späne
- freierer Arbeitsbereich
- und eine optisch ruhigere Oberseite
Natürlich kam diese Erkenntnis erst, als fast alles fertig war.
Was funktioniert hat
Zum dokumentierten Stand funktionierten:
- die Klemmung am Maschinenbett
- das Verschieben und Ansetzen des Anschlags
- die Führung der unteren Klemmbacke
- die Betätigung über die M8-Schraube
- und der grundsätzlich stabile Aufbau
Besonders erfreulich war die Klemmwirkung.
Der Anschlag ließ sich zuverlässig am Bett befestigen, obwohl die einzelnen Bearbeitungsschritte mit sehr einfachen Mitteln entstanden waren.

Bildunterschrift: Am Ende saß der Anschlag dort, wo er sollte. Die Klemmung funktionierte, und die Lage am Bett ließ sich sauber kontrollieren.
Die erste praktische Anprobe fiel erfreulich unspektakulär aus – was bei so einem Bauteil meistens ein gutes Zeichen ist.
Was nicht funktioniert hat
Nicht jeder Arbeitsschritt war erfolgreich.
Gescheitert sind beziehungsweise verworfen wurden:
- der erste Hobelmeißel mit zu wenig Freifläche
- die erste Werkzeugaufnahme
- das M5-Gewinde mit zu kleiner Kernbohrung
- der Versuch, den abgebrochenen Gewindebohrer mit einem Hartmetallbohrer zu entfernen
- und die recht spät erkannte Position der Klemmschraube direkt im Spanbereich
Diese Umwege gehören zum Projekt.
Was ich heute anders machen würde
Die Klemmschraube von unten vorsehen
Der Zugang von unten wäre wahrscheinlich die sauberere Lösung.
Die Oberseite bliebe frei, und die Schraube läge weniger im Bereich herumfliegender Späne. Fixer Griff oder Hebel wäre dann einfach und unkompliziert.
Den Hobelmeißel kleiner beginnen
Der erste Meißel aus Silberstahl war unnötig breit und benötigte zu viel Freiraum.
Der später verwendete umgeschliffene Vier-Millimeter-Bohrer erzeugte weniger Schnittdruck und funktionierte besser.
Das Kernloch passend bohren
Vier Millimeter waren für das geplante M5-Gewinde zu klein.
Diese Erkenntnis kostete einen neuen Gewindebohrer und anschließend auch noch den einzigen vorhandenen Hartmetallbohrer.
Die Klemmmechanik früher vollständig durchdenken
Welle, Feder, Klemmbacke und Schraubenzugang entwickelten sich teilweise erst während der Fertigung.
Bei einem zweiten Anschlag würde ich die gesamte Klemmbewegung vor dem ersten Sägeschnitt genauer festlegen.
Andererseits wäre das dann fast schon Planung.
Rückblick
Ein Längsanschlag ist kein besonders großes Bauteil.
Mit einer Fräsmaschine wäre auch die Fertigung vermutlich nicht besonders außergewöhnlich gewesen.
Ich hatte keine.
Deshalb wurde:
- die Grundform gefeilt
- ein eigener Hobelmeißel gehärtet und geschliffen
- der erste Werkzeugaufbau wieder verworfen
- ein Gewindebohrer abgebrochen
- ein Hartmetallbohrer geopfert
- ein alter Vier-Millimeter-Bohrer zum Hobelwerkzeug umgeschliffen
- die Emcomat einen Tag lang ohne laufende Spindel gekurbelt
- eine Klemmbacke aus SW22-Restmaterial hergestellt
- und der Bohrständer erneut zur Fräsmaschine erklärt
Am Ende entstand trotzdem ein funktionierender Längsanschlag.
Nicht auf dem kürzesten Weg. Aber auf einem, über den es wenigstens etwas zu erzählen gibt. Und an deren Ende ein funktionierender Anschlag steht.
Bildergalerie




















Forumsdiskussion
Der Bau wurde im Forum dokumentiert und diskutiert.
Dort finden sich auch die ursprünglichen Bilder, die beiden Videos und weitere Hinweise zum ungewöhnlichen Hobelaufbau:
Forumsdiskussion: Bett- und Längsanschlag für die Emcomat 8.6
Wie hättest du das gelöst?
Falls du selbst schon einmal einen Bettanschlag gebaut hast – oder eine Drehmaschine zweckentfremdet werden musste, weil gerade keine Fräsmaschine da war – interessieren mich deine Erfahrungen.
Spannend wären vor allem Lösungen für:
- kompakte Klemmmechaniken am Maschinenbett
- bessere Zugänglichkeit der Klemmschraube
- schmale Hobelwerkzeuge für improvisierte Aufbauten
- oder allgemein bessere Ideen, wie man solche Formen ohne Fräsmaschine herstellen kann
Auch Hinweise darauf, was sich bei so einem Anschlag im Langzeiteinsatz bewährt oder eben nicht bewährt, sind sehr willkommen.
Dieser Beitrag beschreibt meinen konkreten Aufbau und die dabei verwendeten improvisierten Bearbeitungsmethoden. Ein starrer Anschlag darf nicht unkontrolliert mit motorischem Vorschub angefahren werden. Aufspannung, Werkzeuggeometrie, Schnittkräfte und mögliche Kollisionen müssen für den jeweiligen Maschinenaufbau eigenständig beurteilt werden.





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