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Kenn‘ ich dich eh, oder?
In meiner Ausbildung standen die klassischen Leinen-Schraubstöcke mit 125 Millimetern Backenbreite.
Viele Jahre später fand ich in den Kleinanzeigen einen alten Parallelschraubstock mit 150 Millimetern breiten Backen.
Ich dachte:
25 Millimeter breiter – so viel größer wird er schon nicht sein.
Als das Ding dann vor mir lag, war die erste Reaktion eher:
Oh mein Gott. Was habe ich getan?
Der Schraubstock ist gewaltig.
Nicht nur wegen der Backenbreite, sondern wegen seiner langen Führungen, des massiven Gusskörpers und des entsprechenden Gewichts.
Wobei „Gewicht“ hier eine recht freundliche Umschreibung ist.
Damit hatte er seinen Namen schnell verdient:
Klein Kunibert.

Bildunterschrift: Klein Kunibert im Fundzustand – rostig, schwer und deutlich größer, als 25 Millimeter zusätzliche Backenbreite vermuten ließen. Daneben der Vergleich zum bisherigen Schraubstock (blau).
Rostig, schwer und überraschend geschmeidig
Der äußere Zustand war wenig einladend.
Vorhanden waren:
- Rost
- alte Lackreste
- verschmutzte Führungsflächen
- stark gebrauchte Spannbacken
- ein verbogener Knebel
- eine fragwürdig angeschweißte Grundplatte
- und zahlreiche Spuren eines langen Arbeitslebens
Trotzdem lief der Schraubstock bereits im ungereinigten und ungeölten Zustand erstaunlich geschmeidig.
Die Spindel ließ sich leicht drehen. Die lose Backe bewegte sich ohne Ruckeln über ihren gesamten Weg.
Nach einigen Jahren mit deutlich kleineren Schraubstöcken aus der Kategorie Billigsdorfer, Baumarkt und Wühltisch hatte ich fast vergessen, wie angenehm sich ein guter Parallelschraubstock kurbeln lässt.
Und dass das Wort „parallel“ dabei nicht nur dekorativ im Namen steht.
Unter Rost, Schmutz und alter Farbe steckte ganz offensichtlich kein schrottreifes Gussteil.
Der Klopper bleibt.

Bildunterschrift: Der lange Führungsweg und der massive Gusskörper machten schnell deutlich, dass dieser Schraubstock in einer anderen Gewichtsklasse spielt.
Was ist ein ZAG 150?
In den Gusskörper ist die Bezeichnung ZAG 150 eingeprägt.
Zur Marke und zum Hersteller konnte ich kaum belastbare Informationen finden.
Die Bauform erinnert an ältere Schraubstöcke von Leinen, Boley und anderen Herstellern.
In der Forumsdiskussion kam die Vermutung auf, dass ZAG aus dem früheren Ostblock stammen könnte. Bestätigen ließ sich das nicht.
Außerdem befindet sich am Schraubstock eine eingeschlagene 78.
Das könnte auf das Baujahr 1978 hinweisen. Es erscheint plausibel, bleibt aber ebenfalls eine Vermutung.
Deshalb nenne ich ihn auf dieser Seite einfach ZAG 150.
Wo und von wem er tatsächlich hergestellt wurde, ist weiterhin offen.

Bildunterschrift: Die Bezeichnung ZAG 150 ist deutlich im Guss erkennbar. Die darunter angeschweißte Stahlplatte gehörte dagegen offensichtlich nicht zur ursprünglichen Konstruktion.
Das vermeintliche Problem mit der Führung
Neben Rost und alten Spannbacken fiel vor allem das Spiel der losen Backe auf.
Beim Spannen hob sie sich sichtbar etwas an.
Zunächst schätzte ich die Bewegung auf ungefähr 0,2 Millimeter.
Eine Einstellleiste oder entsprechende Stellschrauben waren an meinem Schraubstock nicht vorhanden.
Mein erster Gedanke war daher:
Das müsste man eigentlich überarbeiten.
Bei einem alten Werkzeug ist der Impuls schnell da:
- Spiel beseitigen
- Führungen nacharbeiten
- Flächen neu fräsen
- alles möglichst eng und spielfrei einstellen
Bevor ich damit begann, wollte ich allerdings wissen, wie groß das vermeintliche Problem tatsächlich war.
Messen statt vermuten
Mit einer Messuhr kontrollierte ich das Anheben der losen Backe genauer.
Das gemessene Spiel lag ungefähr bei:
- 0,30 bis 0,35 Millimetern
Das war etwas mehr als zunächst geschätzt.
Für einen Präzisions- oder Schleifschraubstock wäre das deutlich.
Klein Kunibert ist allerdings keine Maschinenführung. Er ist ein großer Werkbankschraubstock.
In der Forumsdiskussion wurden ähnlich aufgebaute Schraubstöcke verglichen. Bei einem Boley 125 hob sich die lose Backe bei kräftigem Spannen ebenfalls um ungefähr 0,2 Millimeter.
Auch bei älteren Leinen- und ZAG-ähnlichen-Schraubstöcken wurde von erkennbarem Führungsspiel berichtet, ohne dass ihre Klemmfunktion dadurch unbrauchbar ungenau geworden wäre.
Vor allem zeigte ein praktischer Versuch, dass Klein Kunibert seine eigentliche Aufgabe erfüllt.
Selbst eine kleine M3-Mutter lässt sich flach einspannen, mit etwas Überstand halten und an ihrer Stirnfläche bearbeiten.
Gleichzeitig nimmt der Schraubstock auch große und schwere Werkstücke auf.
Das messbare Anheben der Backe ist vorhanden. Es verhindert aber nicht die Funktion.

Nicht jedes Spiel ist automatisch ein Fehler
Technisch ließe sich die Führung vermutlich verändern.
Dafür müssten möglicherweise:
- die vorhandenen Flächen vermessen
- verschlissene Bereiche nachgearbeitet
- Führungen neu gefräst
- und passende Einlagen aus Bronze oder Messing hergestellt werden
Das wäre ein erheblicher Eingriff.
Dabei bestünde die Gefahr, aus einer leichtgängigen Führung und zuverlässig klemmenden Backen eine sehr aufwendige Baustelle zu machen.
Zu wenig Spiel könnte ebenfalls Probleme verursachen:
- Die Führung klemmt bei Schmutz.
- Die Backe läuft nicht mehr leicht.
- Kleine geometrische Abweichungen werden nicht mehr ausgeglichen.
- Die Nacharbeit müsste sehr genau erfolgen.
- Der praktische Nutzen verbessert sich möglicherweise überhaupt nicht.
Deshalb traf ich eine bewusste Entscheidung:
An der Führung wird nicht spielfrei herumgebastelt.
Das Spiel blieb.
Nicht weil es ideal wäre, sondern weil der Schraubstock seine Aufgabe sehr gut erfüllt.
Erst verstehen, dann verbessern
Dieser Punkt wurde zum wichtigsten Gedanken der gesamten Aufarbeitung.
Ein altes Werkzeug muss nicht automatisch auf Neuzustand gebracht werden.
Zuerst sollte geklärt werden:
- Was ist wirklich beschädigt?
- Was gehört zur Konstruktion?
- Welche Gebrauchsspur beeinträchtigt die Funktion?
- Welche Stelle braucht nur Reinigung und Schmierung?
- Welche vermeintliche Verbesserung könnte mehr schaden als nutzen?
Die Aufarbeitung sollte Klein Kunibert reinigen, schützen und technisch warten.
Sie sollte ihn nicht aus Prinzip neu konstruieren.
Die angeschweißte Grundplatte
Unter dem Schraubstock befand sich eine angeschweißte Stahlplatte.
Auf den ersten Blick war das praktisch. Über diese Platte ließ sich der Schraubstock einfach auf einer Werkbank befestigen.
Vertrauen hatte ich in die Lösung trotzdem nicht.
Bei einem großen Schraubstock entstehen erhebliche Kräfte:
- beim Spannen
- beim Sägen
- beim Biegen
- beim Richten
- bei langen Werkstücken
- und bei Arbeiten mit entsprechendem Hebelarm
Die Platte selbst war wahrscheinlich nicht das Problem.
Entscheidend waren die Schweißverbindungen zwischen Platte und Schraubstock.
Sollte diese Verbindung unter Belastung versagen, fällt nicht nur ein kleines Werkzeug von der Werkbank.
Dann kommen ein sehr schwerer Schraubstock und möglicherweise das eingespannte Werkstück gemeinsam herunter.
Mit etwas Pech auf den Fuß.
Die Grundplatte musste weg
Ich trennte die angeschweißte Stahlplatte ab.
Danach bestätigte sich meine Skepsis. Die Verbindung wirkte nicht so, als hätte ich ihr bei gröberen Arbeiten dauerhaft vertrauen wollen.
Das Entfernen war deshalb keine optische Maßnahme.
Der Schraubstock sollte wieder über die Punkte befestigt werden, die konstruktiv dafür vorgesehen waren:
- zwei vorhandene Befestigungsbohrungen auf der Vorderseite
- eine weitere Bohrung am hinteren Ende
Klein Kunibert sitzt heute direkt auf der Werkbank.
Durch die vorhandenen Gussbohrungen ist er mit drei langen und stabilen Holzschrauben befestigt.
Die Kräfte werden damit unmittelbar vom massiven Grundkörper in die Werkbank eingeleitet.
Eine zweifelhafte angeschweißte Zwischenplatte gibt es nicht mehr.

Bildunterschrift: Die nachträglich angeschweißte Grundplatte wurde entfernt. Heute ist der Schraubstock über die vorhandenen Bohrungen im Guss direkt an der Werkbank befestigt.
Aus etwas Service wird eine Aufarbeitung
Nachdem klar war, dass der Schraubstock bleiben würde, sollte er vollständig aufgearbeitet werden.
Geplant waren:
- zerlegen
- reinigen
- Rost entfernen
- Spindel und Mutter kontrollieren
- neu schmieren
- lackieren
- langfristig neue Spannbacken
- und ein neuer Knebel
Der Anspruch war nicht, einen fabrikneuen Schraubstock zu erzeugen.
Klein Kunibert sollte technisch sauber, geschützt und wieder angenehm benutzbar werden.
Seine Gebrauchsspuren durften sichtbar bleiben.
Die versteckte Spindelsicherung
Beim Zerlegen war zunächst nicht klar, wie die Spindel im vorderen Bereich gesichert war.
Neben der Spindel saßen geteilte Scheiben beziehungsweise Ringe.
Sie waren locker, ließen sich aber nicht einfach entfernen.
Eine offensichtliche Schraube oder ein frei sichtbarer Sicherungsstift war zunächst nicht zu erkennen.
Unter Schmutz, Rost und alter Farbe versteckte sich schließlich doch ein Stift.
Er war nur nicht so zugänglich, wie ich es gebraucht hätte.

Bildunterschrift: Der Sicherungsstift war zunächst kaum zu erkennen. Im Bild ist seine Position rot markiert.
Der erste Ausziehversuch scheitert
Mein erster Plan war, ein M5-Gewinde in den Sicherungsstift einzubringen.
Über eine eingeschraubte Schraube und einen einfachen improvisierten Abzieher wollte ich den Stift anschließend herausziehen.
Das funktionierte nicht.
Das Gewinde riss aus. Der Stift blieb an seinem Platz.
Damit hatte ich weiterhin einen festsitzenden Sicherungsstift, aber nun etwas weniger brauchbares Material daran.

Bildunterschrift: Der erste Versuch sollte den Stift über ein in den Stift eingebrachtes M5-Gewinde herausziehen. Das Gewinde gab nach, der Stift nicht.
Durchbohren und neu verstiften
Letztlich entschied ich mich für eine pragmatischere Lösung.
Die Stelle erhielt ein durchgehendes Sechs-Millimeter-Loch.
Dadurch ließ sich die alte Verbindung vollständig entfernen und später neu verstiften.
Das entspricht nicht mehr der ursprünglichen Ausführung.
Es ist aber:
- eindeutig
- zugänglich
- sicher (de)montierbar
- und bei einem späteren Service nachvollziehbar
Bei einer Aufarbeitung muss nicht jeder alte Stift um jeden Preis gerettet werden.
Wichtiger war mir, dass die Spindel vollständig ausgebaut und die Verbindung anschließend wieder zuverlässig hergestellt werden konnte.

Bildunterschrift: Nach dem Durchbohren wurde die Verbindung mit einem neuen, von außen zugänglichen und nach unten austreibbaren Stift wiederhergestellt.
Spindel und Mutter
Nach dem Lösen der Sicherung ließ sich die Spindel vollständig ausbauen.
Damit waren auch jene Bereiche zugänglich, die bei einer oberflächlichen Reinigung verborgen geblieben wären.
Die Spindel wurde:
- von altem Fett und Schmutz befreit
- auf sichtbare Schäden kontrolliert
- gereinigt
- und anschließend neu gefettet
Auch die zugehörigen Bereiche im Schraubstock wurden gereinigt.
Spindel und Mutter waren nicht der eigentliche Grund für die Aufarbeitung. Der Schraubstock lief bereits vorher erstaunlich gut.
Der Service entfernte lediglich die alte Verschmutzung und erneuerte die Schmierung.
Nach dem Zusammenbau lief Klein Kunibert mindestens so geschmeidig wie zuvor.
Nur sauberer.

Bildunterschrift: Erst nach dem vollständigen Zerlegen waren Spindel, Gewinde und die bisher verborgenen Innenflächen zugänglich.
Rost und alte Farbe entfernen
Für die Reinigung des Gusskörpers verwendete ich:
- eine Topfbürste
- den Winkelschleifer mit Bürstenscheibe
- und eine Drahtbürste von Hand
Mit den maschinellen Bürsten ließen sich größere schneller Flächen bearbeiten.
Entfernt wurden loser Rost, schlecht haftende Farbreste, Schmutz und lose Beschichtungen.
In Ecken, Vertiefungen und empfindlicheren Bereichen war die Handbürste besser.
Der Gusskörper sollte nicht vollständig glattgeschliffen oder blank poliert werden.
Es ging darum, lose Schichten zu entfernen und eine tragfähige Oberfläche für den neuen Lack zu schaffen.
Die Gussstruktur und viele alte Gebrauchsspuren blieben sichtbar.
Nicht fabrikneu
Bei der Aufarbeitung alter Werkzeuge kann sehr viel Zeit damit vergehen, jede Fläche perfekt glatt herzustellen.
Das war nicht mein Ziel.
Klein Kunibert ist ein Arbeitsgerät.
Die neue Beschichtung sollte:
- vor weiterem Rost schützen
- die Reinigung erleichtern
- den Schraubstock optisch zusammenfassen
- und ihn wieder ansehnlich machen
Die Oberfläche musste dafür sauber und tragfähig sein.
Sie musste nicht Neu aussehen, oder als hätte der Schraubstock nie gearbeitet.
Anthrazit und Lichtgrau
Der vorbereitete Gusskörper wurde zunächst mit anthrazitfarbener 3-in-1-Rostschutzfarbe grundiert.
Darüber kam ein lichtgrauer Deckanstrich, ebenfalls mit 3-in-1-Rostschutzfarbe.
Die Farbwahl beruhte nicht auf einer historischen Recherche zum ursprünglichen ZAG-Farbton.
Die Lacke waren einfach vorhanden.
Außerdem ließ das helle Grau den ohnehin riesigen Schraubstock optisch etwas weniger wuchtig erscheinen.
Zumindest theoretisch.
Die Bezeichnung ZAG 150 wurde anschließend wieder sichtbar hervorgehoben.
Damit blieb trotz neuer Farbe erkennbar, welcher Schraubstock unter dem Lack steckt. Außerdem gefällt mir dieses optische Detail.

Bildunterschrift: Anthrazit grundiert und lichtgrau lackiert. Die Farbe war vorhanden und sollte den massiven Gusskörper optisch zumindest etwas leichter wirken lassen.
Funktionsflächen bleiben Funktionsflächen
Nicht alle Bereiche wurden lackiert.
Führungsflächen, bewegte Bereiche und andere Kontaktstellen benötigen natürlich keine dekorative Beschichtung.
Dort sind wichtiger:
- Sauberkeit
- passende Schmierung
- ungehinderte Bewegung
- und direkter metallischer Kontakt, wo er konstruktiv vorgesehen ist
Lack auf einer Führungsfläche. Super Idee.
Deshalb blieben die entsprechenden Flächen blank beziehungsweise wurden beim Lackieren ausgespart oder danach wieder abgeschabt.
Die Ambossfläche
Hinter der festen Backe besitzt der Schraubstock eine größere ebene Fläche, die als Ambossfläche verwendet werden kann.
Diese Fläche war deutlich benutzt.
Sie wurde gereinigt und mit den vorhandenen Mitteln so weit überarbeitet, dass sie wieder ordentlich aussah und für leichte Arbeiten brauchbar blieb.
Vollständig überfräst wurde sie nicht.
Dafür bestand auch kein besonderer Grund.

Bildunterschrift: Die Ambossfläche wurde gereinigt und leicht überarbeitet. Alte Spuren blieben sichtbar, weil eine vollständige Überarbeitung funktional nicht notwendig war. Im Hintergrund: Chaos.
Kein Schmiedeamboss
Bei der Nutzung dieser Fläche ist Zurückhaltung sinnvoll.
Der Schraubstock besteht aus Guss.
Guss kann hohe Druckkräfte aufnehmen und hält einiges an normalem Werkstattalltag aus.
Harte Schlagbelastungen sind etwas anderes.
Bei grobem Schmieden oder schweren Hammerschlägen könnte der Gusskörper reißen.
Deshalb behandle ich die Fläche nicht wie einen geschmiedeten Amboss.
Sie eignet sich für:
- leichtes Richten
- kleine Montagearbeiten
- vorsichtiges Anlegen
- und kontrollierte leichte Schläge
Für gröbere Arbeiten liegt eine dicke Stahlplatte ohnehin in Reichweite.
Die alten Spannbacken
Die vorhandenen Spannbacken zeigen deutliche Gebrauchsspuren.
Sie sind verschlissen, beschädigt und optisch weit vom Neuzustand entfernt.
Trotzdem funktionieren sie.
Kleine Teile lassen sich ebenso halten wie größere Werkstücke.
Neue Backen sind weiterhin geplant.
Dafür wurde gezogenes C45-Flachmaterial bestellt und geliefert.
Ein Teil dieses Materials bekam zwischenzeitlich allerdings eine andere Aufgabe.
Es wurde für den Spindelträger beim Umbau der Emcomat-Querspindel auf TR10×2 benötigt.
So wandert Material in der Werkstatt eben manchmal vom geplanten Projekt in das gerade dringendere.
Warum eigene Spannbacken?
Bei einem alten Schraubstock mit unbekannter Herkunft ist nicht sicher, ob passende Ersatzbacken erhältlich sind.
Selbst wenn Länge und Höhe stimmen, können sich unterscheiden:
- Lochabstände
- Bohrungspositionen
- Schraubengrößen
- Senkungen
- und Abstände zu den Kanten
Überlappt ein neues Lochbild ungünstig mit den vorhandenen Bohrungen, lassen sich fremde Backen kaum sinnvoll anpassen.
Da der Hersteller des ZAG 150 weiterhin nicht eindeutig bekannt ist, erscheint die eigene Fertigung aus C45 vernünftig.
Die Backen können daher direkt nach den vorhandenen Aufnahmen hergestellt werden.
Glatt oder geriffelt?
Noch offen ist, wie die neuen Spannbacken ausgeführt werden sollen.
Denkbar wären:
- glatte Stahlbacken
- geriffelte Backen
- jeweils ein eigener Satz
- oder zusätzliche weiche Aufsatzbacken
Eine Riffelung verbessert den Halt, hinterlässt aber schneller Spuren am Werkstück.
Für viele meiner Arbeiten würden glatte Stahlbacken ausreichen.
Bei empfindlichen Teilen können zusätzliche Schutzbacken eingesetzt werden.
Da die vorhandenen Backen noch funktionieren, besteht kein Zeitdruck.
Das Rohmaterial liegt bereit.
Die Fertigung kommt, wenn sie eben an der Reihe ist.
Der verbogene Knebel
Auch der Knebel zeigt deutlich, dass der Schraubstock in seinem früheren Leben nicht nur vorsichtig behandelt wurde.
Er ist verbogen.
Ein Ersatz ist geplant, und passendes Material liegt bereits bereit.
Trotzdem ist der alte Knebel noch montiert.
Er funktioniert.
Ein neuer gerader Knebel würde besser aussehen und sich vermutlich angenehmer bedienen lassen.
Für die eigentliche Klemmwirkung ist der Austausch momentan aber nicht notwendig.
Zusammenbau
Nach Reinigung, Lackierung und Spindelservice wurde Klein Kunibert wieder montiert.
Zusammen kamen:
- der gereinigte und lackierte Gusskörper
- die gereinigte und neu gefettete Spindel
- saubere Führungsflächen
- die neue Verstiftung
- die vorhandenen Spannbacken
- der alte verbogene Knebel
- und die direkte Befestigung auf der Werkbank
Schon vor der Aufarbeitung lief der Schraubstock seidenweich.
Nach dem Service fühlt sich die Bewegung sauber und kontrolliert an.
Die lose Backe lässt sich angenehm über den langen Weg verstellen.
Beim Spannen entwickelt der massive Aufbau genau jene Ruhe, die ich von den alten Parallelschraubstöcken aus meiner Ausbildung in Erinnerung hatte.

Bildunterschrift: Klein Kunibert nach der Aufarbeitung – technisch gewartet, neu lackiert und direkt über die vorhandenen Gussbohrungen befestigt.
Die neue Arbeitshöhe
Durch seine Größe liegt die Spannstelle deutlich höher als bei meinem vorherigen kleinen Schraubstock.
Das ist besonders beim Feilen oder Sägen angenehm.
Das Werkstück befindet sich auf einer brauchbaren Höhe, ohne dass ich mich unnötig weit nach unten beugen muss.
Klein Kunibert benötigt Platz.
Seine Größe verbessert dafür auch die Arbeitsposition.
Von M3 bis schwer
Im Alltag zeigt sich die eigentliche Stärke des Schraubstocks.
Er ist nicht nur für große Werkstücke geeignet.
Auch kleine Teile lassen sich sinnvoll halten.
Eine M3-Mutter kann beispielsweise flach gespannt werden, wobei die zu bearbeitende Fläche etwas über den Spannbacken steht.
Am anderen Ende nimmt Klein Kunibert deutlich größere Bauteile auf.
Verwendet wird er unter anderem für:
- Bleche
- Profile
- Rundmaterial
- größere Baugruppen
- schwere Werkstücke
- Richtarbeiten
- Montagearbeiten
- und gelegentliche Pressarbeiten
Endlich ein Parallelschraubstock, der einfach funktioniert.

Bildunterschrift: Ein direkter Größenvergleich erklärt besser als jede Maßangabe, weshalb aus dem ZAG 150 sehr schnell Klein Kunibert wurde.
Das Führungsspiel im Alltag
Das gemessene Anheben der losen Backe ist weiterhin vorhanden.
Im täglichen Einsatz spielt es kaum eine Rolle.
Die Werkstücke werden sicher gehalten. Kleine Teile rutschen nicht heraus. Große Teile lassen sich kräftig spannen.
Gleichzeitig läuft die Backe leicht genug, um sie ohne unnötigen Kraftaufwand über den langen Weg zu verstellen.
Damit war die Entscheidung richtig, die Führung nicht vorschnell umzubauen.
Das Spiel ist messbar. Es verhindert aber nicht die Funktion.
Was bewusst unverändert blieb
Mehrere Punkte wurden absichtlich nicht überarbeitet:
- das Führungsspiel
- die vorhandene Führungsgeometrie
- die alten Spannbacken
- der verbogene Knebel
- die nicht überfräste Ambossfläche
Nicht weil diese Stellen perfekt wären.
Sondern weil sie die Arbeit mit dem Schraubstock derzeit nicht ernsthaft beeinträchtigen.
Eine Aufarbeitung muss nicht bedeuten, jede Gebrauchsspur und jede konstruktive Eigenheit zu beseitigen.
Manchmal lautet die sinnvollste Vorgehensweise:
Reinigen, warten, schützen und anschließend erst einmal benutzen.
Was noch geplant ist
Auf der offenen Liste stehen weiterhin:
- neue Spannbacken aus C45
- ein neuer gerader Knebel
- eventuell eine genauere Bearbeitung der Ambossfläche
- und möglicherweise passende Schutz- oder Aufsatzbacken
Die Führung bleibt voraussichtlich unverändert.
Eine grundlegende Nacharbeit wäre erst dann sinnvoll, wenn sich im Betrieb tatsächlich ein Problem zeigt.
Bisher gibt es dafür keinen Grund.
Was ich heute anders machen würde
Die Aufarbeitung hat funktioniert.
Einige Schritte würde ich heute trotzdem anders angehen.
Die Grundplatte früher prüfen
Die angeschweißte Platte sah zunächst nach einer praktischen Ergänzung aus.
Bei einem so schweren Schraubstock sollte jede nachträglich angebrachte Befestigung aber bereits vor dem ersten Aufstellen kritisch kontrolliert werden.
Den Sicherungsstift vollständig freilegen
Der erste Versuch mit dem M5-Gewinde scheiterte.
Mit besserem Zugang und klarerer Sicht auf die Sicherung hätte ich möglicherweise früher erkannt, dass Durchbohren und Neuverstiften der direktere Weg war.
Offene Arbeiten vor dem Lackieren entscheiden
Neue Spannbacken und Knebel waren bereits geplant, wurden aber nicht gleichzeitig fertiggestellt.
Das ist funktional kein Problem.
Bei einer vollständig durchgeplanten Restaurierung ließen sich alle offenen Arbeiten vor Lackierung und Endmontage erledigen.
Trotzdem nicht zu viel reparieren
Die wichtigste Entscheidung würde ich genauso wieder treffen.
Ich würde auch heute nicht automatisch versuchen, die Führung spielfrei zu machen.
Das wäre viel Arbeit.
Und möglicherweise keine Verbesserung.
Aktueller Stand
Klein Kunibert ist aufgearbeitet, montiert und im Einsatz.
Er besitzt heute:
- einen gereinigten und lackierten Gusskörper
- eine vollständig gereinigte und neu gefettete Spindel
- gereinigte Führungsflächen
- eine neue Verstiftung
- eine direkte stabile Befestigung an der Werkbank
- weiterhin die vorhandenen Spannbacken
- und weiterhin den verbogenen Knebel
Offen bleiben:
- neue C45-Spannbacken
- ein neuer Knebel
- eine mögliche spätere Bearbeitung der Ambossfläche
Der Schraubstock muss auf diese Arbeiten allerdings nicht warten.
Er funktioniert bereits jetzt ausgezeichnet.
Rückblick
Was zunächst wie ein übergroßer rostiger Fehlkauf wirkte, wurde zu einem der angenehmsten Werkzeuge an meiner Werkbank.
Klein Kunibert kam:
- rostig
- ungepflegt
- mit alten Backen
- mit verbogenem Knebel
- mit einer fragwürdigen Grundplatte
- und mit messbarem Führungsspiel
Trotzdem lief er vom ersten Tag an seidenweich.
Die wichtigste Arbeit bestand deshalb nicht darin, ihn vollständig neu zu konstruieren.
Sie bestand darin, herauszufinden:
- Was ist tatsächlich beschädigt?
- Was gehört zur Bauart?
- Welche Stelle benötigt Service?
- Welche Veränderung verbessert wirklich etwas?
- Welchen vermeintlichen Mangel lasse ich besser in Ruhe?
Die Führung blieb, wie sie war.
Die Spindel wurde gereinigt und neu gefettet.
Die fragwürdige Grundplatte verschwand.
Der Rost wurde entfernt.
Der Guss erhielt eine neue Beschichtung.
Und aus einem dunklen, schweren Klumpen wurde ein lichtgrauer, weiterhin schwerer Klumpen.
Nur eben einer, mit dem die Arbeit richtig Freude macht.
Bildergalerie

































Forumsdiskussion
Die Einschätzung des Führungsspiels und die Entscheidung gegen einen vorschnellen Umbau wurden durch die Forumsdiskussion beeinflusst.
Dort wurden unter anderem:
- vergleichbare Boley- und Leinen-Schraubstöcke betrachtet
- das Anheben der losen Backe verglichen
- mögliche Nacharbeiten diskutiert
- Werkstoffe für neue Backen vorgeschlagen
- und die unbekannte Herkunft von ZAG besprochen
Die Herkunft des Schraubstocks ließ sich auch dort nicht eindeutig klären.
Forumsdiskussion: Werkbank-Parallelschraubstock ZAG 150
Dieser Beitrag dokumentiert die Aufarbeitung meines konkreten Schraubstocks und meine Erfahrungen im Betrieb. Alte Gusswerkzeuge können verdeckte Schäden besitzen. Befestigung, Risse, Führungen und tragende Verbindungen müssen vor Belastung eigenständig beurteilt werden.
Längsanschlag für die Emcomat 8.6 – gebaut auf der Langsamhobel-Drehmaschine
Führungsspiel lassen oder nacharbeiten?
Das Anheben der losen Backe um ungefähr 0,30 bis 0,35 Millimeter ist eindeutig messbar. Gleichzeitig läuft Klein Kunibert leichtgängig und hält sowohl kleine als auch schwere Werkstücke zuverlässig.
Hast du einen ähnlich aufgebauten ZAG-, Leinen-, Boley- oder anderen älteren Parallelschraubstock überarbeitet oder länger verwendet?
Interessant wären besonders Erfahrungen dazu, ob ein vergleichbares Führungsspiel im Langzeiteinsatz tatsächlich Probleme verursacht hat – oder ob eine Nacharbeit der Führung am Ende mehr neue Schwierigkeiten als Verbesserungen brachte.
Ebenso willkommen sind Hinweise zu selbst gefertigten Spannbacken aus C45, glatten oder geriffelten Spannflächen und anderen Lösungen für die versteckte Spindelsicherung.





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